Kapitel 7 von 12

Würdigung ohne Selbstverkleinerung

Wenn ich heute an sie denke, ist da nicht nur Sehnsucht. Es ist ein ganzes Gefüge: Rührung, Dankbarkeit, Wehmut, Trauer, manchmal Scham über verpasste Reife, manchmal Stolz darüber, was ich durch diese Verbindung lernen durfte.

Es gibt Momente, in denen ich mich ihrer Weisheit unterlegen fühle. Und ich möchte mir an dieser Stelle die Ehrlichkeit bewahren: Dieses Gefühl ist real. Ich muss es nicht sofort auflösen. Aber ich muss es auch nicht zur endgültigen Wahrheit machen.

Denn wenn ich genauer hinschaue, dann war sie mir vielleicht in vielem voraus, ja. Doch das war nicht einfach eine Frage von „mehr Wert" oder „weniger Wert". Wir hatten unterschiedliche Voraussetzungen. Unterschiedliche Biografien. Unterschiedliche Zumutungen.

Was ich an ihr würdige, ist deshalb nicht nur ihre Schönheit, so wirksam sie auch war. Ich würdige ihre Wirklichkeitstiefe. Ihre Erfahrung. Ihre Klarheit. Ihre Art zu tragen. Ihre Fähigkeit, mir Zugang zu geben, ohne sich aufzugeben. Ihre Kraft.

Und ich würdige, dass sie davon etwas mit mir geteilt hat.

Das ist kein kleines Geschenk.
Das ist etwas, das ein Leben mitprägt.