Die Form, die nicht mitwuchs
Heute glaube ich auch, dass unsere Verbindung eine Dynamik hatte, die damals trug und später schwieriger wurde.
Ich vermute, sie fühlte sich mit mir in mancher Hinsicht sicher. Vielleicht erlebte sie mich zeitweise sogar wie einen Schutzbefohlenen. Das ist ein heikler Gedanke für mein männliches Selbstbild, und doch wirkt er rückblickend plausibel. Nicht als Demütigung, sondern als Beschreibung einer Form.
Es gab etwas Asymmetrisches in unserem Verhältnis, und dieses Gefälle war wahrscheinlich nicht nur ein Problem, sondern auch Teil seiner damaligen Tragfähigkeit.
Es gibt Lebensphasen, in denen man sich in der Nähe eines Menschen entwickelt, der in manchem weiter ist. Das ist nicht unehrenhaft. Problematisch wird es erst, wenn die Form nicht mitwächst, obwohl der Mensch in ihr wächst.
Ich musste irgendwann aus einer Rolle herauswachsen, die ich nie bewusst gewählt hatte. Und vielleicht hätte sie mich dafür neu sehen müssen. Vielleicht konnten wir das beide nicht im selben Takt. Vielleicht nur teilweise. Vielleicht zu spät. Vielleicht war es auch nie unsere Aufgabe, dieselbe Form auf Dauer zu konservieren.