Kapitel 1 von 12

Der Name

Wenn ich heute versuche, einen Namen für sie zu finden, der weder zu klein noch zu ungenau ist, weder Besitz beansprucht noch die Wahrheit verwässert, lande ich immer wieder bei demselben Wortlaut:

Sie, die zu mir durchdrang.

Für Außenstehende mag das wie eine poetische Formulierung klingen. Für mich ist es eine biografische Tatsache. Denn sie war nicht einfach eine Frau, die ich unfassbar schön fand, nicht bloß meine beste Freundin, mit der ich sehr viel Zeit verbrachte, nicht nur eine unerfüllte Liebesgeschichte, an der ich mich jahrelang weigerte zu zerbrechen.

Sie war ein Mensch, der durch meine Schichten ging. Durch meine Abwehr, meinen Stolz, meine Unreife, meine Sehnsucht, meine Verwirrung, meine Selbstbilder, meine Fluchten in meinen Kopf.

Sie kam nicht einfach in mein Leben.
Sie kam bei mir an.